Unternehmensumfrage von Polymernetzwerk und Netzwerk Oberfläche NRW

Die Weltwirtschaftskrise scheint überwunden, die Unternehmen berichten über steigenden Absatz - aus diesem Anlass haben Polymernetzwerk und Netzwerk Oberfläche NRW eine Unternehmensumfrage durchgeführt - wie sind die Unternehmen nach der Wirtschaftskrise aufgestellt und welche Themen werden sie vorrangig beschäftigen?

1) Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise

Die Mehrheit der Unternehmen berichtet, dass sie während der Weltwirtschaftskrise von Produktions- und Umsatzrückgängen betroffen war. Nur bei ca. 15% waren zu Krisenzeiten keine Veränderungen hinsichtlich Produktion und Umsatz feststellbar.

Quelle: WiN Emscher-Lippe GmbH 2011

Etwa jedes dritte Unternehmen (28,6%) gab zudem an, während der Zeit der Weltwirtschaftskrise Personal abgebaut zu haben. 21,4% der Unternehmen reagierten auf die Krise mit einem Ausbau der Kurzarbeit um bis zu 25%. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen waren von Personalabbau und Kurzarbeit betroffen.

Quelle: WiN Emscher-Lippe GmbH 2011

Sowohl Konzerne als auch kleine und mittlere Unternehmen sehen sich derzeit entweder unmittelbar vor Ende oder nach der Krise.

Die Veränderungen der Produktion während der Weltwirtschaftskrise in der gesamten Branche werden von den Unternehmen negativer als im eigenen Unternehmen eingeschätzt, so gehen 7,1% der Unternehmen davon aus, dass die Produktion zu dieser Zeit um mehr als 50% gesunken ist. Veränderungen des Umsatzes sowie der Personalabbaus werden ähnlich wie im eigenen Unternehmen eingeschätzt.

Laut einem Großteil der Unternehmen werden durchschnittlich 75-99% des Vorkrisenniveaus wieder erreicht.

In den kommenden 12 Monaten rechnen die Unternehmen meist mit einer steigenden Entwicklung von Geschäftsklimaindex, Investitionen, Marge/Profitabilität, Umsatz sowie Personal. Aber auch stark zunehmende Rohstoffkosten werden erwartet.

Über 77% der Konzerne rechnen mit einem hohen Wachstumspotenzial ihres Unternehmens in Asien. Für KMU scheint der NAFTA-Raum ein Markt mit großen Wachstumschancen zu sein.

Für 30% der Konzerne stellt Deutschland ein Markt mit hohen Entwicklungsmöglichkeiten dar, während für alle befragten klein- und mittelständischen Unternehmen der Markt Deutschland ein mittleres Potenzial aufweist.

Insbesondere Risikomanagement und Absicherung gegen Forderungsausfall spielen für die Unternehmen nach der Weltwirtschaftskrise strategisch eine wachsende Rolle. Beim Thema Forderungsausfall geben sogar 15,4% der Unternehmen an, die Strategie hier stark geändert zu haben.

Quelle: WiN Emscher-Lippe GmbH 2011

2) Trends

Als limitierende Faktoren für Wachstums werden kurzfristig insbesondere die Rohstoffversorgung, Rohstoffpreise, Energiekosten sowie die Stabilität der Finanzmärkte gesehen. Diese Indikatoren werden auch innerhalb der nächsten 3-5 Jahre eine wichtige Rolle für das Unternehmenswachstums spielen, als zusätzliche Herausforderungen treten vor allem der Fachkräftemangel, Rezession sowie neue Wettbewerber in Wachstumsmärkten in Erscheinung.

Als Wachstumstreiber werden dagegen kurzfristig vor allem Kostensenkung sowie Werbung/Vermarktung genannt. Mittelfristig spielen die Erschließung neuer Märkte, Investitionen in Sachanlagen sowie Innovationen und Kooperationen in Forschung & Entwicklung eine wichtige Rolle.

Kurzfristig spielen für die Unternehmen insbesondere die Themen Verhältnis Preis/Leistung, Leistung und die Preise selbst sowie Forschung & Entwicklung eine große Rolle für den Geschäftserfolg. Mittelfristig treten zudem die Gestaltung schlanker Arbeitsprozesse, die Globalisierung und damit neue Märkte sowie individualisierte Kundenlösungen als Erfolgspotenziale in den Vordergrund. Auch nachwachsende Rohstoffe und damit übergeordnet der Megatrend Rohstoffwandel spielen für die Unternehmen zukünftig eine wichtige Rolle.

3) Innovationen - Forschung & Entwicklung

Beim Thema Innovation wird deutlich, dass für die Unternehmen neben der eigenen Forschung & Entwicklung Kooperationen in Forschung & Entwicklung die größte Rolle spielen. Open Innovation kommt dagegen nur eine untergeordnete Bedeutung zu.

Quelle: WiN Emscher-Lippe GmbH 2011

Bei Betrachtung der Partner in Forschung & Entwicklung wird deutlich, dass nationale Hochschulen, außeruniversitäre Einrichtungen, Kooperationen innerhalb der Unternehmensgruppe sowie Industriekooperationen die größte Rolle spielen. Die Konzerne sind bei Forschungskooperationen besonders engagiert.

Die Kooperation mit internationalen Hochschulen wird zukünftig an Bedeutung gewinnen. 66,7% der Unternehmen kooperieren schon heute mit Hochschulen, 16,7% planen Kooperationsbeziehungen zu Hochschulen aufzunehmen. Im Besonderen klein- und mittelständische Unternehmen suchen zukünftig verstärkt bei Forschungskooperationen die internationale Zusammenarbeit mit Hochschulen.

Für alle Unternehmen spielt die Entwicklung umweltfreundlicher Produkte als Teil der Innovationsstrategie eine wichtige Rolle, der Megatrend Nachhaltigkeit zeigt sich hier bei den Unternehmen als wegweisendes Thema. 75% der Unternehmen nutzen M&A als signifikante Quelle von Innovationen.

Während für klein- und mittelständische Unternehmen staatliche Unterstützung zur Beschleunigung der Innovationsentwicklung durchgehend eine wichtige Rolle spielt, ist das Thema bei Konzernen nur für 20% der Unternehmen von Interesse.

4) Fachkräfteversorgung

Der Großteil der Unternehmen ist vom Fachkräftemangel betroffen. In diesem Zusammenhang trifft das Thema Konzerne stärker als klein- und mittelständische Unternehmen.

Während der Fachkräftemangel bei klein- und mittelständischen Unternehmen derzeit ausschließlich im Bereich Forschung & Entwicklung in Erscheinung tritt, ist bei Konzernen eine Vielzahl an Bereichen vom Fachkräftemangel betroffen. Insbesondere in technischen Berufen fehlen Fachkräfte, aber auch in Forschung & Entwicklung sowie in der Produktion ist ein Fehlen von Fachkräften zu verzeichnen.

Um dem Fachkräftemangel zu entgehen, spielen für die Unternehmen insbesondere Ausbildung & Qualifizierung sowie das Bemühen um Nachwuchskräfte eine wichtige Rolle. Fast ein Fünftel der Unternehmen verlagert anspruchsvolle Arbeiten in Regionen ohne Fachkräftemangel. Dies betrifft ausschließlich Konzerne.

 

 

Ansprechpartner

Katharina Kihm
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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